Azubis als Social-Media-Spezialisten

Dein Unternehmen weiß nicht, was ein Hashtag ist! #weißnix

Bei Facebook, Instagram oder YouTube ringen Unternehmen um die Aufmerksamkeit potenzieller Azubis. Einfach ist das nicht. Ein möglicher Weg: Das Wissen der eigenen Nachwuchskräfte nutzen, um die anspruchsvolle Zielgruppe zu erreichen.

Viel ist derzeit die Rede von Corporate Influencern oder Markenbotschaftern. Die Idee: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen als Multiplikatoren die Themen und Botschaften des Unternehmens, für das sie arbeiten, vor allem in die sozialen Netzwerke tragen. Guter Ansatz, denn: Wer im Netz Gehör finden will, muss nah dran sein an der Tonalität und den ungeschriebenen Regeln der jeweiligen Plattform. Aber vielen Unternehmen, vor allem im Mittelstand, fehlen die Ressourcen, um in den schnelllebigen Medien präsent zu sein.

Das ist insbesondere für das Ausbildungsmarketing eine Herausforderung, denn über klassische Wege lässt sich der potentielle Nachwuchs kaum noch erreichen. Warum also nicht die eigenen Azubis einbinden, um auf Ausbildungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven hinzuweisen?

Foto: Marcel Hasübert – mh-foto.de

Kommunikation auf Augenhöhe

Dafür spricht einiges: Viele Azubis bewegen sich ohnehin recht fließend und selbstsicher in Social Media. Sie haben einen unverbrauchten Blick auf den Betrieb und bringen eine natürliche Begeisterung mit. Am wichtigsten: Sie sprechen die Sprache der Zielgruppe und können glaubwürdig auf Augenhöhe kommunizieren.

Unternehmen können das als Chance sehen und versuchen, die jungen Menschen von Nutzern zu Gestaltern zu entwickeln. Azubis können in den sozialen Medien einen persönlichen Einblick in ihre Arbeit geben – die beste Werbung für potenzielle Kolleginnen und Kollegen.

Voraussetzung ist, dass man sie nicht in ein enges Korsett aus Vorschriften presst und sie zwingt, ihre Ausdrucksweise an den gängigen Unternehmenssprech anzupassen.

Online sollten sie so über ihre Arbeit reden dürfen, wie sie es im Pausenraum mit den gleichaltrigen Kollegen tun. Mag schon sein, dass das dem Geschäftsführer nicht immer passt. Aber nur so senden Azubi-Postings die Schwingungen aus, die andere junge Menschen empfangen können. Die haben nämlich ein feines Gespür dafür, ob im Hintergrund jemand heimlich die Fäden zieht.

Orientierung geben

Während man die Tonalität also möglichst unberührt und die Azubis eigene Worte finden lassen sollte, ist ein inhaltlicher Rahmen sinnvoll. Azubis sind nämlich keine Kommunikationsexperten, die gute Ideen einfach so aus dem Ärmel schütteln, nur weil sie jung sind oder viele Videos bei YouTube schauen.

Im Gegenteil: Sie sind unsicher, was angemessen und erlaubt ist. Dann kann es passieren, dass sie unlocker werden, weil sie der Kommunikationswelt des Unternehmens gerecht werden wollen. Genau das wollen wir aber vermeiden. Daher gilt: Ein lockeres Regelwerk schränkt nicht ein. Es gibt Orientierung.

Foto: Marcel Hasübert – mh-foto.de

Sicherheit und Kompetenzen sind gefragt

Wie schafft man also den Spagat zwischen Unternehmensanspruch und Azubi-Perspektive? Wie formt man eine Azubi-Gemeinschaft, die sich austauscht und unterstützt? Und die große Frage: Wie begeistert man Azubis für die Unternehmenskommunikation?

SCRIPT schlägt drei einfache Schritte vor:

Schritt 1: Recherchieren

Laden Sie doch mal eine Handvoll Azubis zu einem Gespräch ein. Sprechen Sie in lockerer Runde darüber, was die jungen Kollegen und Kolleginnen bewegt. Welche Kanäle nutzen sie? Welche Themen sind besonders wichtig? Und – mit am wichtigsten – wie sieht ihre Gefühlswelt aus: Was denken die Azubis über den Außenauftritt des eigenen Unternehmens? Wie fühlen sie sich, wenn sie für das Unternehmen sprechen? Wer drückt auf die Bremse und wie könnte es besser gehen? Wichtig: Die Teilnahme verpflichtet zu gar nichts. Es geht um den Austausch.

Schritt 2: Motivieren

Im nächsten Schritt wird es schon etwas organisierter, das Klima bleibt aber locker. In einem offenen Format, beispielsweise bei einem Barcamp (siehe unten), geben sich die Azubis gegenseitig Input zu Themen, die sie bewegen. Wie kann ich das Netz nutzen, um mich auf eine Prüfung vorzubereiten? Was tun, wenn es Stress mit dem Ausbilder oder in der Berufsschule gibt? Wie kann ich mich sicher im Netz bewegen und wie reagiere ich auf einen bösen Kommentar? Was sind Fettnäpfchen und wie vermeidet man sie? Das Barcamp bietet Teilnehmern einen geschützten Raum, in dem Unsicherheit dazu gehört und sogar erwünscht ist. Den Rat erfahrener Kolleginnen und Kollegen, zum Beispiel aus der Personalabteilung, nehmen Azubis in einem solchen Umfeld gerne an. Der Austausch mit anderen Azubis gibt Sicherheit. Ein Bacamp kann so der Startschuss sein für eine Azubi-Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt.

Schritt 3: Inspirieren

Wettbewerbe und Herausforderungen inspirieren Azubis zu mutiger Kreativität. Dafür muss natürlich die Aufgabenstellung entsprechend formuliert sein. Zum Beispiel: „Fotografiere deinen Arbeitsplatz so, wie ihn deine Eltern beschreiben.“ Oder: „Welchen Werkbanktrick kann dein Ausbilder von dir lernen?“

Social Media Azubi-Barcamp 2018

Um die geheimen Superkräfte von Azubis als Experten für die Unternehmenskommunikation ging es beim Barcamp „Social Media Hero“ mit unserem Kunden Chemieverbände Rheinland-Pfalz. Gemeinsam veranstalteten wir mit und für Azubis aus zahlreichen Unternehmen der Chemiebranche ein Barcamp über Social Media.

Bei Barcamps gibt es keine vorbereiteten Vorträge und keinen vorgegebenen Ablauf. Stattdessen legen die Teilnehmer zu Beginn fest, welche Themen in 45 Minuten langen Sessions diskutiert werden – fertig ist das Barcamp-Programm. Alle machen mit. Streng genommen gibt es daher keine Teilnehmer, sondern ausschließlich Teilgeber.

Foto: Marcel Hasübert – mh-foto.de

Bei unserem Social-Media-Barcamp sprachen die mehr als 70 Teilgeberinnen und Teilgeber unter anderem über die Bildersuche in dürftigen internen Bilddatenbanken, dem Wunsch nach mehr kreativem Freiraum bei ansonsten klaren Spielregeln, den Aufbau einer Lerncommunity auf Basis einer Forensoftware, Datenpannen bei Facebook, YouTube-Klicks und wie ein richtig gutes Social-Media-Foto geknipst wird.

Die Rückmeldungen der Azubis zur Veranstaltung waren super – zum Barcamp-Format an sich sowie zum Social-Media-Austausch unter Gleichgesinnten. Klar ist, dass man mit nur einem Barcamp nicht alle Fragen beantwortet. Entsprechend groß war das Interesse an einer Neuauflage.

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