Von weit, weit her … blaue Murmel oder schwarzes Loch, das ist die Frage

Die Geschichte der SCRIPT Weihnachtskarte 2019

VON WEIT, WEIT HER … … kommt das Licht der Riesengalaxie M87.

Ganze 55 Millionen Lichtjahre hat es zu uns zurückgelegt. Die Galaxie zirkuliert um ein gewaltiges Schwarzes Loch. Mit der Aufnahme von Messier 87 ist es Forscher*innen 2019 erstmals gelungen, ein Schwarzes Loch zu fotografieren. Dafür mussten sie weltweit Radioteleskope zusammenschalten.

Der ferne Lichtkranz lässt uns nicht unberührt: Weckt er Neugier auf unendliche Weiten? Haben wir Angst vor dem dunklen Schlund? Oder hoffen wir gar, darin die Antwort auf die Frage zu finden, wie unser Universum und unsere Erde entstanden sind?

Während wir über das große Ganze nachdenken, passiert etwas Erstaunliches: Die Unterschiede auf unserem Heimatplaneten wirken plötzlich winzig klein. Ob jung oder alt, arm oder reich, Ost oder West, Gender dies oder das – wir alle teilen
uns eine Erde. Wir alle staunen über die Unendlichkeit des Alls. Darin sind wir uns unendlich nah.

Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit in diesem Jahr und freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen auf unserem Planeten.“

 

Making-of Weihnachtskarte 2019

Michael Behrent

Season‘s Greetings sind ja so eine Sache: Einerseits emotional und symbolisch aufgeladen. Andererseits eben doch nur eine Konvention, ja oft eine lästige Pflicht in den stressigen Tagen vor Weihnachten. Und am Ende landet der Gruß mehr oder weniger unbeachtet neben zig anderen ebenfalls mehr oder weniger unbeachteten Grüßen.

Bei genauer Betrachtung also eine typische Aufgabe für eine Agentur. Daher machen wir uns bei SCRIPT jedes Jahr ein Fest daraus, eine besondere Weihnachtskarte zu entwickeln, wie Sascha schreibt. Dabei versuchen wir immer, unser gesamtes Handwerkszeug einzusetzen, wie zum Beispiel Methoden des Storytellings, über die Renate schreibt. In diesem Jahr haben wir das Bild des Schwarzen Lochs als Kern der Geschichte genommen. Was wir dort eigentlich sehen, erklärt Julia.

Simon erläutert, welche Frage das Schwarze Loch den Betrachter*innen stellt, und weshalb das Bild der Erde so bedeutungsvoll ist. Um das alles wahrzunehmen, muss es allerdings gestaltet werden. Welche Bedeutung die gestalterischen und handwerklichen Details haben, erläutert Ina. Und was alles zu tun ist, damit auch möglichst viele Menschen, die wir erreichen wollen, unseren Gruß wahrnehmen, erläutert Matthias.

Und so wird die gedruckte Karte zum Ausgangspunkt für eine multimediale Kommunikation – und an dieser Stelle schließlich noch zu einer vielleicht lehrreichen Geschichte über die Arbeit einer Agentur.

Uns hat‘s jedenfalls Spaß gemacht und wir hoffen, euch hat die Idee gefallen.

Kartenansicht der Weihnachtskarte 2019

So sieht unsere Weihnachtskarte aus. Bild: SCRIPT

Agenturtradition – Jedes Jahr eine spezielle Karte zur Weihnachtszeit

Sascha Stoltenow

Eine Karte zur Weihnachtszeit. Ist das noch etwas Besonderes? Ja, wenn wir uns Mühe geben. Das Besondere an unserer Weihnachtskarte ist, dass wir allen, denen wir sie senden, ein Gefühl von unserer Arbeitsweise vermitteln möchten. Wir denken den Prozess vom Ende her: Bei der Weihnachtskarte ist das der Moment, in dem die Empfänger*innen sie in der Hand halten. Sie wollen wir überraschen, sie so neugierig machen, dass sie die Karte öffnen und lesen – und dann vielleicht schmunzeln, kurz nachdenken und sagen: „Ja, das hat was, das ist typisch SCRIPT.“

Das ist in etwa auch das Briefing, das wir den Macher*innen der Karte geben, in jedem Jahr einem anderen Team. Im konventionellen Format der Karte dürfen – oder müssen? – sich die Kolleg*innen ihre Freiräume suchen. Typische Fragen für die kreative Arbeit sind: Welche Themen haben uns in diesem Jahr bewegt? Wie bringen wir das auf den Punkt? Was ist der Weihnachtszeit und dem Jahreswechsel angemessen? Wie können wir Menschen emotional und intellektuell berühren, ohne kitschig oder zu verkopft zu werden? Und dann passiert im kreativen Prozess immer wieder das kleine Weihnachtswunder: Aus intensiven Gesprächen entsteht eine Idee, die alles ordnet, die zur Geschichte, die zur Karte wird – und gut ankommt. Jahr für Jahr. Das ist das Besondere und alle Mühe wert.

Alte Weihnachtskartenmotive

Motive früherer Weihnachtskarten. Bild: SCRIPT

Storytelling – Jede gute Geschichte braucht einen Perspektivwechsel

Renate Sommer

„Von oben sieht die Erde so zerbrechlich aus“, sagte unser Mann im All Alexander Gerst, nachdem er wieder festen Boden unter seinen Füßen hatte. Fasziniert hören die Menschen seine Geschichten. Warum? Weil er es schafft, die irdische Perspektive mit der des Universums zu vereinen. Er schlägt eine Brücke, 400 Kilometer von der Internationalen Raumstation zu mir. Er hat einen direkten Draht zwischen sich und den Menschen aufgebaut. Einen Draht, der überträgt. Seine Botschaften finden Gehör. Seine Geschichten berühren. Wirkungsvolle Kommunikation tut genau das: Sie integriert verschiedene Perspektiven. Sie erzählt eine Geschichte für Menschen – egal, wie unterschiedlich sie sein mögen.

Doch wie integriert man verschiedene Perspektiven, wenn man keinen Astro Alex zur Verfügung hat? Ganz einfach: Konkretisieren Sie die Bedeutung, nicht die Erzählung. Finden Sie eine klare Botschaft – und erzählen Sie diese aus verschiedenen Blickwinkeln. Zeigen Sie nicht nur, was das für Ihr Unternehmen bedeutet, sondern auch für Ihre Mitarbeiter*innen aus der Technik, die Kolleg*innen aus der Buchhaltung, die Familie, die Ihr Produkt kauft – oder eben den Hipster, der Ihr Produkt nicht möchte. Bauen Sie Brücken für Menschen, egal, wie weit der Weg auch sein mag. Nur dann können Sie Menschen bewegen.

Perspektive auf die Erde

Perspektive auf die Erde. Bild: SCRIPT

Schwarzes Loch – Was sehen wir auf dem Bild?

Julia Hummer

Schwarze Löcher kennen wir aus vielen Sci-Fi-Filmen. Wir haben daher eine visuelle Idee von den Schwerkraft-Ungeheuern. Doch sehen und fotografieren kann man sie eigentlich nicht.

Ein Schwarzes Loch entsteht aus extrem komprimierter Materie, die in einen unendlich kleinen Punkt zentriert ist – der Singularität. Diese erzeugt eine so starke Verzerrung der Raumzeit, dass sogar Licht verschluckt wird. Alles, was der Verzerrung nahe genug kommt, stürzt in das Zentrum.

Was wir auf dem Bild sehen, sind die Auswirkungen des Schwarzen Lochs auf seine Umgebung. 2017 haben acht über die Erde verteilte Observatorien fünf Tage lang Radiostrahlung mit Wellenlängen von etwas mehr als einem Millimeter eingefangen. Zwei Jahre später sind die Daten ausgewertet. Die Wellenlängen wurden in den Bereich des sichtbaren Lichts verschoben: Was rot auf dem Bild erscheint, sind Akkretionsflüsse aus der Umgebung des Schwarzen Lochs.

Akkretionsflüsse sind gigantische Gemische aus Gas und strahlender Materie, die mit hoher Geschwindigkeit um das Schwarze Loch wirbeln. Während sie von der Schwerkraft ins Zentrum gezwungen werden, heizen sie sich auf und geben Strahlung ab. Der untere, hellere Bereich des Bildes markiert vermutlich die auf die Erde zukommenden Strahlen. Der dunklere Bereich zeigt die Strahlen, die sich von der Erde wegbewegen.

Wir sehen auf dem Bild also etwas, das auf zweifache Weise unsichtbar ist: Radiowellen aus weiter Ferne von einem Objekt, das sich nur durch seine Umgebung offenbart.

Schwarzes Loch – Würden Sie hineinfliegen?

Simon Krappmann

Das Schwarze Loch ist ein blinder Fleck für den Verstand. Niemand weiß, was passiert, wenn man die „Deadline“ überquert – den Ereignishorizont, hinter dem es kein Zurück mehr gibt.

Würden Sie dort hineinfliegen, wenn Sie könnten?

Gut, ein bisschen Hawking-Strahlung kommt wieder raus, mehr aber nicht. Über das, was drinnen passiert, bleibt nur Spekulation. Das ist auch gut so, denn darin liegt die unendliche Faszination dieses Phänomens. Da, wo selbst die genialsten Formeln versagen, können wir unserer Fantasie freien Lauf lassen.

Was könnte also passieren?

Sie könnten langgezogen werden wie eine Spaghetti, weil an Ihrem Kopf viel mehr Gravitation wirkt als an Ihren Füßen – falls Sie mit dem Kopf voranfliegen. Das wäre nicht so schön.

Sie könnten auch in einen bunten Tunnel abtauchen, psychedelisch durch die Raumzeit gleiten und an einem anderen Fleck im Universum herauskommen.

Oder Sie wechseln gleich in ein Paralleluniversum, in dem andere Naturgesetze herrschen als in unserem. Vielleicht ist dort die Schwerkraft umgekehrt, sodass es Weiße Löcher gibt und sich die Evolution im Planeteninneren abspielt.

Oder es wird noch verrückter und Sie landen in einer höheren Dimension, in der Sie den absoluten Durchblick haben. Wow!

Wie Sie sich auch entscheiden: Stehen Sie dazu, denn es gibt kein Zurück.

Wie im Leben.

Den Overview-Effekt erleben

Simon Krappmann

Dass die Erde eine Kugel und kein Frisbee ist, ahnten schon antike Köpfe wie Platon. Seitdem gibt es viele Bilder, die unseren Planeten als 3D-Gebilde darstellen.

Trotzdem hat es noch gut zwei Jahrtausende gedauert, bis die Erde zum „Fotomodel“ wurde. Genauer gesagt bis zum 7. Dezember 1972: An diesem Tag hat die Besatzung der Mondmission Apollo 17 aus 45.000 Kilometern Entfernung das Foto „Blue Marble“ geschossen. Das farbintensive Bild zeigt eine Erdansicht vom Mittelmeer bis zur antarktischen Eiskappe. Damit wurde die Erde ein Popstar, abgedruckt auf unzähligen Postern und T-Shirts.

Während Blue Marble noch auf einen 70-Millimeter-Film gebannt wurde, stehen heute modernste bildgebende Verfahren zur Verfügung: von Collagen aus Satellitenfotos bis zum metergenauen GSP.

Eines hat sich jedoch nicht verändert: das Gefühl der tiefen Demut und der Verantwortung für unseren Planeten, wenn wir ihn aus dem All sehen. Bei Raumfahrer*innen nennt man das Gefühl den „Overview-Effekt“. Dank Aufnahmen wie Blue Marble können wir alle etwas davon spüren, ohne die Murmel verlassen zu müssen, deren Teil wir sind.

Tiefenprägung der Weihnachtskarte 2019

Tiefenprägung der Weihnachtskarte Bild: SCRIPT

Gestaltung – Eine Idee stark machen

Ina Hengstler

Eine starke Idee zu entwickeln, ist eine große Herausforderung. Sie stark zu kommunizieren, eine noch größere: Motiv, Text, Design, Verarbeitung und Papier – all das muss bedacht werden, wenn Ideen und Worte überzeugen sollen. Wenn man sich eine bestimmte Visualisierung und Haptik vorstellt, die den textlichen Inhalt unterstreicht und die gesamte Karte zu einem unverwechselbaren und prägnanten Augenschmaus unter den unzähligen Weihnachtskarten machen soll, dann gehört es selbstverständlich dazu, darüber nachzudenken, welche Funktion Veredelungen haben können – anstatt einfach nur gut auszusehen.

In diesem Fall zieht das Schwarze Loch durch die mehrfache Tiefenprägung in die unbekannte Tiefe und wird durch den Glanz der Lackierung noch schwärzer. Der optisch zurückgenommene Schriftzug auf der Vorderseite verbindet sich durch die dort ebenfalls angewandte partielle Glanzfolierung mit dem visuellen Zentrum der Vorderseite, ohne dabei in Konkurrenz zu treten.

Hat das Auge all dies erfasst, eröffnet die Innenseite das Gegenstück zum bedrohlich wirkenden dunklen Loch. Wir landen auf der Erde, die trotz extremer Ferne durch die entgegengesetzte Prägung eine Nahbarkeit bekommt und sich auf uns zuzubewegen scheint. Hier hat der aufgetragene Glanz plötzlich eine völlig andere Wirkung als auf der Vorderseite: Er lässt die Erde strahlen.

Patritze und Stempel für die Tiefenprägung

Patritze und Stempel für die Tiefenprägung Bild: SCRIPT

Weihnachtskarte digital – Damit ihr sie auch alle seht!

Matthias Bastian

Manch einer mag das Internet als Schwarzes Loch bezeichnen, weil es unfassbar viele Inhalte anzieht – und dann einfach verschluckt, so, als hätten sie nie existiert. Damit unsere Web-Weihnachtskarte diesem Schicksal entgeht, haben wir uns ein paar mehr Gedanken zur digitalen Distribution gemacht.

Anstatt das gute Stück plump als Weihnachtskarte_2019_version_1.2_MBE_final.pdf auf der nächsten PDF-Reader-Webseite hochzuladen, haben wir es entlang unserer Content-Seeding-Logik kanalgerecht formatiert: Bei Facebook und LinkedIn entdecken unsere Leser*innen ein spannendes GIF. Das zieht ihre Blicke an wie das Schwarze Loch die Zeitreisetheoretiker. Hauptsache, sie bleiben kurz hängen beim Scrollen.

Auf unserer Webseite nutzen wir den vielen Raum und die große Zugewandtheit unserer interessiertesten Leser*innen – richtig, das sind Sie – um unsere Weihnachtskartengeschichte ganz genau zu erzählen: übersichtlich verpackt in einem gut strukturierten Longread mit vielen Absätzen und Zwischenüberschriften für eilige Überflieger und einem Einstiegsmenü für strukturierte Leser.

Eine spannende Erkenntnis: Unser Weihnachtskartenbeispiel zeigt, wie ein analoges Format zum Content Hub für digitale Kanäle werden kann.

Content Hub Logik

Sogar eine Weihnachtskarte kann ein Content Hub sein – wenn man strategisch vorgeht. Bild: SCRIPT

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