Working out Loud Kritik: 12 Wochen, 5 Kolleginnen, 1 Experiment

Wir haben WOL getestet – und das ist unser Fazit

„Willst du wissen, obs dir gefällt, probiers einfach mal aus.“ In diesem Sinne haben wir bei SCRIPT einen Working Out Loud Circle gestartet – kurz WOL. Hier berichten wir von unseren Erfahrungen und beschreiben, was wir gut finden an WOL und was uns weniger gefällt.

„Willkommen zu unserer ersten WOL-Sitzung!“ Es ist Mittwoch, der 16. Januar 2019. Fünf Kolleginnen treffen sich im kleinen Konferenzraum, um gemeinsam zwölf Wochen lang Working Out Loud zu testen. WOL soll Mitarbeiter*innen eines Unternehmens helfen, persönliche Ziele zu erreichen. Bis zu sechs Personen finden sich in einer Gruppe zusammen, tauschen sich wöchentlich aus und erledigen gemeinsam Aufgaben.

Die Kollektiv-Lernmethode aus den USA ist momentan extrem angesagt. Ob Bosch, Siemens oder BMW: In vielen namhaften Konzernen treffen sich weltweit Mitarbeiter*innen zu sogenannten WOL-Circles.

Working out Loud: Eine Methode für die Transformation von Unternehmen

Entwickelt wurde das zwölfwöchige WOL-Programm von John Stepper. Nach drei Jahrzehnten in großen Konzernen resümierte er: „Es war entmenschlichend – eine tragische Verschwendung von menschlichem und unternehmerischem Potenzial.“ Als Gegenentwurf entwickelte Stepper die WOL-Methode. Die Kerngedanken lauten:

  • Baue Beziehungen auf. Beziehungen sind wichtiger als das Netzwerk.
  • Teile Wissen.
  • Lerne schrittweise.
  • Beziehungen helfen dir, dein Ziel zu erreichen.
  • Sei empathisch.

Laut Stepper ist WOL der Schlüssel zu einer offenen Unternehmenskultur mit kollaborativ gestimmten Mitarbeiter*innen. Vor allem Unternehmen in der Transformation können durch WOL agiler und gemeinschaftlicher werden, meint Stepper.

Von WOL profitieren Unternehmen, in denen sich die Mitarbeiter*innen kaum über die eigene Abteilung hinaus austauschen – hier geht Innovationskraft verloren. Eine optimale Voraussetzung für den Austausch sind interne Kommunikationskanäle, beispielsweise Social Intranet, Messenger Dienste wie Skype für weltweite Videokonferenzen oder auch ein Schwarzes Brett, um Teilnehmer*innen für den Circle zu suchen. Erfolgreiche WOL-Circle können Power entwickeln: Kollegialität, Empowerment, Zufriedenheit und Wissenstransfer.

Stepper glaubt, dass Unternehmen davon maßgeblich profitieren können. So könnten durch WOL klassische Fortbildungen wegfallen, weil Wissen innerhalb des Unternehmens zirkuliert und sich im Netzwerk für jedes Thema eine Expertin oder ein Experte findet. Was WOL aber keinesfalls sein sollte, ist ein Pflichtprogramm, da das Konzept wesentlich auf der intrinsischen Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer fußt.

So organisieren wir die WOL-Circles bei SCRIPT

Ob das alles wirklich funktioniert, wollten wir am eigenen Leib erfahren. Deshalb wagen fünf Kolleginnen das Experiment. Die erste große Herausforderung: Ein persönliches Lernziel finden. Zu Beginn ist das also wie in einer Selbsthilfegruppe: „Hallo, ich bin Karo und mein Ziel ist …“.

Das persönliche Ziel ist das Fundament von WOL – und letztendlich für uns fünf die wichtigste Motivation. Jede wählte ein anderes Ziel – von redaktionellen  Fähigkeiten, die wir im Arbeitsalltag benötigen, bis hin zu Themenkompetenz rund um Methoden und Digitalisierung, die wir aufbauen möchten.

Im Circle teilten wir unsere Ziele, Fortschritte, Schwierigkeiten und Gedanken.  Das schaffte in unserer Gruppe Vertrauen und brachte uns inhaltlich weiter.

Vier der fünf Koleginnen, die Working out Loud getestet haben Bild: SCRIPT

Vier der fünf Kolleginnen, die Working out Loud getestet haben. Bild: SCRIPT

Netzwerken über WOL-Sessions und die Agentur hinaus

Netzwerken ist das A und O bei WOL. Denn der eine kennt wiederum jemanden, der jemanden kennt, der eine kennt, die zum Thema weiterhelfen kann. Einfach gesagt: Je größer die Liste an Menschen ist, die zum Ziel beitragen können, desto besser. Netzwerken muss man mögen, vor allem in Social Media. Wer also Facebook und Co. ignoriert, für den ist der Austausch in der analogen Welt umso wichtiger.

WOL gibt uns dazu folgende Tipps mit:

  • Erstelle eine Beziehungsliste für Aufgaben. Wer kann dir helfen, zum Beispiel mehr über ein Thema zu erfahren? Welchen Medien, Plattformen und Newsletter sind für dich interessant?
  • Gemeinsamkeiten verbinden. Mach dir deine Eigenschaften und Interessen bewusst und suche sie in anderen. Schon habt ihr ein Gesprächsthema.
  • Schärfe deine Aufmerksamkeit für andere und begegne ihnen mit Dankbarkeit.

Die WOL-Aufgaben

In der siebten Woche sitzen wir im großen Konferenzraum und schreiben uns selbst einen Brief von unserem zukünftigen Ich: „Was sind meine Wünsche? Wo sehe ich mich, wenn ich erfolgreich mein Ziel erreiche? Wie fühle ich mich, wenn ich es nicht versuche?“

Diese Überlegungen sollen helfen, den Weg zum Ziel konkreter zu gestalten. Ähnliche Aufgaben und Herausforderungen zur Persönlichkeitsentwicklung stellt WOL immer wieder. Neben der Entwicklung zielen die Aufgaben darauf ab, das Netzwerk zu vergrößern und Zeit besser zu managen.

Wer mehr zu den Aufgaben und Sitzungen erfahren möchte, findet hier mehr: https://workingoutloud.com/de/circle-guides

Wir clustern die Aufgaben von WOL in drei Bereiche: Netzwerkaufbau, Persönlichkeitsentwicklung und Selbstmotivation und Zeitmanagement. Bild: SCRIPT

Wir clustern die Aufgaben von WOL in drei Bereiche: Netzwerkaufbau, Persönlichkeitsentwicklung und Selbstmotivation und Zeitmanagement. Bild: SCRIPT

Was wir von Working out Loud mitnehmen

Die zwölf Wochen vergehen schnell, sind an der ein oder anderen Stelle auch mal zäh, aber haben uns fünf Kolleginnen näher zusammengebracht. Die Teamkonstellation ist ein entscheidender Punkt: Je vielfältiger der Circle ist, desto mehr Perspektiven bringt man an einen Tisch. Wichtig ist die Bereitschaft, anderen zuzuhören und sie beim Weg zu ihrem individuellen Ziel zu begleiten. In einem kollektiven Prozess entstehen die besten Ideen. Denn die eigene Lösung ist nicht immer die beste und nicht immer die passende für andere.

Das persönliche Ziel ist das Fundament von WOL. Und der Weg zum Ziel ist entscheidend. Den Impulsen auf dem Weg zum Ziel sollte man genügend Aufmerksamkeit schenken.

Was wir nicht nur anderen WOL-Testern*innen mit auf den Weg geben:

  • Gestalte das Ziel messbar und setze dir Teilziele.
  • Regelmäßig hinterfragen: Bin ich auf dem Weg, mein Ziel zu erreichen? Ist mein Ziel wirklich meines oder entspricht es nur der Erwartungshaltung anderer?
  • Erkenne deine Fortschritte und feiere dich dafür.
  • Erkenne auch Rückschläge. Ärgere dich nicht, sondern fokussiere dich auf das, was gut läuft.
  • Entwickle eine klare Vision von deinem Ziel. Hänge dir ein Bild dieser Vision an deinen Rechner oder schreibe dir einen Brief an dein zukünftiges Ich und schicke ihn dir zur Erinnerung – datiert auf einen beliebigen Tag in der Zukunft. Dafür gibt es ein Tool: https://www.futureme.org/.
  • Mit erhobenem Zeigefinger: Selbstmanagement! Den Tritt in den Hintern muss sich jeder selbst geben und vor allem: Wenn du etwas willst, gib dir Zeit. Mach lieber kleine Schritte, dafür kontinuierliche. Routine hilft.

Abschließend bleibt zu sagen: Wir haben durch WOL viel gelernt. Dennoch bleibt es erstmal bei dem einmaligen Experiment. Die von WOL geforderte Kultur leben wir ohnehin schon in vielen Bereichen.

Und schließlich: In unserer SCRIPT-Haltung „Erfolg braucht Zuversicht“ stecken auch Gedanken von WOL. Denn Zuversicht meint die Vorstellung einer wünschenswerten Zukunft (Ziel!), der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und die eigene Urteilskraft sowie das Vertrauen auf Unterstützung durch andere Menschen.

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